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Vhôchals Flüstern

Buchappetizer

Welchem Pfad folgst du in einer Welt, in der dein Erbe und der Glaube deiner Ahnen dich das Leben kosten können?

In Ella erwacht die verbotene Gabe der Göttin der Träume und der Toten. Während der Insel Candhun ein verheerender Bürgerkrieg droht, stolpert Ella zwischen politischen Ränken und einer unerwünschten Heiratsabsprache über den faszinierenden Krieger Llew, der die Sehnsucht nach ihrer alten Heimat wachruft. Als ein benachbartes Dorf niederbrennt, steht er unter Verdacht und verwickelt Ella in eine blutige Intrige. Die freiheitsliebende Seherin wählt einen gefährlichen Ausweg. In einem riskanten Ritual hebt sie den Schleier der dunklen Göttin und gerät wehrlos in die Welt der Geister. Ein mystisches Band zu dem undurchsichtigen Krieger ist ihr einziger Schutz.

Vhochals Flüstern ist der erste Teil der Kurzroman-Reihe Schleier der Anderwelt. Er ist in einer früheren Ausgabe Candhun: Schleier der Anderswelt enthalten.

Finde mit Ella in den Schatten deine kraftvollsten Seiten und erfahre eine Geschichte durchtränkt von Hoffnung und Mystik in einer Welt voller Kämpfe. Eine packende Fantasygeschichte spannend und wortgewaltig erzählt.

Starte jetzt eine fantastische Reihe mit dem ersten Teil, Vhochâls Flüstern, und sei dabei, wenn sich der Schleier zur Anderswelt das erste Mal hebt.

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Blick ins Buch

Ella durchquerte weiter den Salon, am Durchgang zur Terrasse fiel ihr der übertrieben gerade Scheitel eines blonden Mannes auf. Der Mann erwiderte ihren Blick und lächelte sie, über die Köpfe seiner Gesprächspartner hinweg, an. Das musste der Mann aus Grents Arbeitszimmer, der Inquisitor, sein. Ihn kennenzulernen, konnte nicht schaden, und irgendwie mochte sie die selbstbewusste Ausstrahlung. Sicher war es besser zu wissen, mit wem sie es zu tun hatte, falls Ragin sie wieder mit seinen Heiratsplänen nervte. Vielleicht konnte sie ihn einfach bitten, ihren Onkel von dieser Idee abzubringen, ohne Bräutigam würde es ihm die Sache zumindest erst einmal erschweren.
Gerade als sie zu ihm hinüber gehen wollte, wurde sie am Handgelenk gepackt und auf die Tanzfläche gezogen.
»Möchtest du tanzen?« Die Frage erschien ihr unter den gegebenen Umständen reichlich überflüssig. Sie wollte zum Protest ansetzen, Llew war schneller. »Doch du willst!«, zischte er in ihr Ohr und versetzte ihrem Arm einen Ruck, sodass sie ihm gegenüberstand.
Seltsam, selbst mit diesem drohenden Unterton mochte sie seine Stimme.
Er wartete einen Takt ab, dann griff er nach ihrer anderen Hand und wollte Ella etwas näher an sich heranziehen. Sie stemmte sich mit ihrem Gewicht dagegen, ließ jedoch zu, dass sie sich den Tanzenden anschlossen.
»Was hast du mit Rodrik zu schaffen?«, fragte er, sobald sie sich eingereiht hatten.
»Nichts, ich kenne niemanden, der so heißt.«
Llew musste sie für eine Drehung loslassen. Verwirrt über diese Frage, dachte sie nicht mehr daran, zu entwischen. Während der folgenden vier Schritte versuchte sie, irgendeine Gefühlsregung in seinem Gesicht zu entdecken, die ihr Aufschluss geben konnte, wie ihre Chancen auf ein vernünftiges Gespräch standen. Seine Frage war ihm ziemlich schroff über die Lippen gekommen. Jetzt konnte Ella nichts als ausdruckslose Höflichkeit in seinen Zügen erkennen.
Drehung, Verbeugung, vier Schritte. Sie reichte ihm erneut die Hand, mit einer geschickten Bewegung zog er sie an sich. Verblüfft leistete sie dieses Mal keinen Widerstand, das gehörte eindeutig nicht zur Schrittfolge. Sie folgte seiner überzeugenden Führung durch ein paar weitere Schritte und Drehungen, denen sie sich fasziniert ergab. Ehe sie auf irgendeine Weise reagieren konnte, standen sie im Flur hinter einer kleinen Seitentür des Salons. Es war also nicht seine Absicht gewesen, mit ihr zu tanzen. Natürlich nicht. Er wollte bloß unauffällig mit ihr verschwinden, ohne eine Szene von ihr befürchten zu müssen. Geistig schalt sie sich für diese weitere Naivität. Mit einer Hand wies er auf eine Tür ein Stück den Gang hinunter. Da ihre Meinung dazu anscheinend irrelevant war, folgte sie seiner Aufforderung unter Vorbehalt. Der Geruch von Lauge stach ihr in die Nase, daher vermutete sie, es handle sich um eine Waschküche. Llew griff eine Fackel aus der Wandhalterung im Flur und schloss hinter sich die Tür. Das flackernde Licht erhellte nur einen Teil des großen, zu dieser späten Stunde ungenutzten Raumes. Er befestigte die Fackel. Ein grünes Augenpaar mit schwungvollen, langen Wimpern heftete sich auf Ella. »Rodrik«, wiederholte der große Cáeláne gedehnt, um den Faden seines Verhörs wieder aufzunehmen. Er lehnte sich betont lässig gegen den Türrahmen. Damit blockierte er Ella den einzigen Fluchtweg.
»Hm – ich weiß wirklich nicht«, setzte sie an und bemerkte, wie ausgetrocknet ihr Mund sich plötzlich anfühlte.
»Ja, doch – Ella Arglos«, unterbrach er sie spottend und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie befand sich wohl nicht unmittelbar in Gefahr, falls von diesem Fremden überhaupt eine Bedrohung für sie ausging. Sie überlegte kurz:
»Oh, der Inquisitor heißt also Rodrik«, murmelte sie schließlich.
Er neigte sich ihr langsam zu, Ella verfolgte erschrocken sein Mienenspiel, das nun alles andere als ausdruckslos war. Sein Gesicht dicht vor dem ihren, wartete er ab. Ella beherrschte sich, nicht rückwärts vor ihm zu fliehen. Jeder einzelne Muskel wirkte angespannt, in seinen Augen lag dieser bedrohliche Glanz, den sie schon einmal gesehen hatte. Sie bereitete sich innerlich auf ein explosionsartiges Dröhnen seiner Worte vor, umso mehr musste sie sich anstrengen, ihn zu verstehen, dermaßen leise wie er sprach: »Hör auf, die Ahnungslose zu spielen.«
Sie verengte die Augen und nahm ihren ganzen Mut zusammen. Dieser undurchsichtige Barbar würde sie nicht einfach einschüchtern.
»Sonst? Solltest du mich nicht noch über die Konsequenzen aufklären?«
Seine Bewegung folgte übergangslos, sie sah seine Hand nicht kommen. Mit erschreckender Brutalität presste er sie auf Ellas Hals, bis ihr Puls, dessen aufgeregte Schläge sie darunter spürte, schmerzhaft in ihrem Kopf nachhallte. Diese Variante wirkte um einiges effektiver als die verbale Ausführung.
»Mein Onkel will, dass ich ihn heirate, doch wir wurden uns noch nicht einmal vorgestellt«, brachte sie erstickt heraus. Sie nahm sich fest vor, bei Gelegenheit ihre Definition von Gefahr zu überdenken.
Llew ließ los. »Warum verfolgst du mich dann?«
»Was?« Ihre Stimme klang fast schrill. »Du bist hier derjenige, der ständig überall auftaucht!«, fauchte sie wütend. »Ich finde, du solltest mir mal einige Dinge erklären und nicht umgekehrt!«
Seine Handbewegung deutete einen abrupten Anfall starker Kopfschmerzen an, er lehnte sich wieder an die Wand zurück.
»Hast du eigentlich den Hauch einer Ahnung, was hier vor sich geht, Ella?«
»Hast du mich hierher entführt, um mich zu beleidigen?« Sie verstand überhaupt nichts mehr. Ihre Gefühle wechselten in verwirrendem Tempo von Angst über Wut zu Erstaunen.


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