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Thyrons Zorn

Buchappetizer

Ella trägt die verbotene Gabe Vhochâls, der Göttin der Träume und der Toten.

Die Dunkle lockt die Seherin tiefer in ihr düsteres Reich. Ella wird Opfer der Rache des Inquisitors und verliert sich in albtraumhaften Visionen, in denen Llews Freunde niedergemetzelt werden. Ein unsichtbares Band zu dem faszinierenden Cáelánen Llew ist offenbar Rettung und Fluch zugleich.

Thyrons Zorn ist der zweite Teil der Kurzroman-Reihe Schleier der Anderswelt. Er ist in einer früheren Ausgabe im Roman Candhun: Schleier der Anderswelt enthalten.

Die Geschichte der Seherin dringt unter die Haut, als Llew begreift, was mit ihr geschieht.
lieb gewonnene Charaktere und eine Geschichte, die Fahrt aufnimmt
Folge Ella und Llew tiefer in die Schatten der Anderswelt


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Buchappetizer

Blick ins Buch

Ella wollte ihm über eine kleine Böschung hinweg auf die Handelsstraße folgen. Am Boden liegende Zweige stachen in ihre geschundenen Fußsohlen, während sie den bewachsenen Hügel hinauflief. Sie wurde langsamer und blieb ein ganzes Stück hinter ihm zurück. In diesem Augenblick quittierten ihre Beine den Dienst. Direkt vor ihr stand unvermittelt der totgeglaubte Mann.
»Rodrik«, flüsterte sie schockiert und klang dabei, als würde ihre Kehle zusammen gedrückt werden.
Kreidebleich klammerte sie sich an einen Eschenschössling, um nicht den Kampf gegen die Schwerkraft zu verlieren.
»Eine Vision?«, hörte sie Llew von der Straße her fragen.
»Nein, er ist hier«, flüsterte sie panisch.
Rodriks blasse Raubtieraugen fixierten sie, seine Lippen formten sich zu einem spitzen Lächeln.
»Ella, Schätzchen.«
Seine Stimme hämmerte wie ein überlagertes Echo auf Ellas Trommelfell ein. Dazwischen nahm sie Llew wahr, der es gerade einmal mehr mit Logik bei ihr versuchte.
»Du weißt, dass das nicht möglich ist. Wir müssen uns beeilen, komm endlich hier herauf!«
Die Miene des Inquisitors überzog ein selbstgefälliges Triumphlächeln. Seine Hand schloss sich kraftvoll um den langen Holzstab seiner Glefe, an deren Ende das Mondlicht von der abgebrochenen Klinge reflektiert wurde.
»Llew?« Ellas Stimmbänder waren wie von Riegs kalter Asche betäubt und Rodriks Gelächter brachte ihren Kopf an den Rand einer Resonanzkatastrophe.
»Llew, bitte hilf mir!«, flehte sie erstickt.
Sie sah wie er am Saum der Böschung, etwa eine Schwertlänge hinter Rodrik, auftauchte. Mit einer eleganten Drehbewegung ließ Rodrik den Stab im Halbkreis auf Ella zu schnellen. Er traf sie mit einem dumpfen Hieb an der Schulter. Durch den Schlag verlor sie das Gefühl im Arm und das Remis gegen die Erdanziehung. Sie prallte seitlich gegen einen Baumstumpf. Der Inquisitor kam langsam auf die Seherin zu, dabei traf sie sein gellendes Echo wie eine Klingenattacke am Kopf.
»Ich werde auf dich warten, Ella, so lange bis du mich anflehst, dich zu töten«, sein fahler Blick durchdrang sie eisig und seine Arroganz blitzte siegessicher hinter der stumpfen Schicht, die der Tod auf seiner Iris hinterlassen hatte,
»Du darfst zusehen, wie jeder der dir etwas bedeutet, deinetwegen leiden und sterben wird.«
Sie versuchte, sich aufzurichten, doch der Schmerz in ihrem getroffenen Arm besiegte ihre Muskeln. Er fesselte sie vor dem Holzstumpf an den Boden.
Panik ergriff sie, Hilfe suchend blickte sie zu Llew, der entsetzt stehen geblieben war und sie anstarrte.
»Du weißt, dass dein primitiver Cáeláne dir nicht helfen kann«,
Rodrik beugte sich langsam zu ihr herab, um seine Mundwinkel kräuselte sich ein überhebliches Grinsen.
Seine schlanken Finger strichen Ella fast zärtlich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hinterließen dabei das Gefühl kleiner, krabbelnder Insekten auf ihrer Haut. Während er weiter sprach, stieg ihr der süße Geruch faulenden Fleisches in die Nase, als könnte sie die einsetzende Verwesung seines Körpers riechen.
»Ich werde dich begleiten, Ella, und jeden, der dir nah kommt, langsam töten. Das ist mein Geschenk an dich, weil du meine Pläne zerstört hast.«
Der Fluchtinstinkt gewann über ihre Panik. Mit einem Ruck richtete sie sich auf. Ein zweiter grausamer Schlag traf sie gegen das Brustbein. Sie stürzte rückwärts, dabei streifte sie mit der Hüfte den Stumpf, bevor sie auf der Erde aufschlug. Die Schürfwunde brannte sich beißend in ihre Haut. Bei jedem Atemzug spürte sie qualvoll die Stelle seines Treffers. Sie sah, wie Rodrik die Spitze seines Kampfstabes auf sie richtete, und erwartete wehrlos einen Stoß mit der abgebrochenen Klinge. Plötzlich war Llew über ihr.
»Nein, verschwinde!«, schrie sie ihn an, »Llew, bitte, er wird dich töten!« Die Angst raubte ihr jede Kraft. Sie versuchte, ihn von sich zu schubsen und an ihm vorbei einen Blick auf Rodrik zu erhaschen.


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