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Hewnas Schweigen

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Die verbotene Gabe Vhochâls wütet im Inneren der Seherin Ella. Unfreiwillig verknüpft mit dem Krieger Llew entgleitet sie mehr und mehr in die Anderswelt.

Llew plagt die Angst, im entscheidenden Moment seiner Schwäche zu unterliegen und die eigentliche Gefahr für Ella zu bedeuten. Wie soll er die Seherin mitten im Krieg seines Landes vor dem Flüstern der dunklen Göttin beschützen? Hilfe wartet vielleicht im Wald der Reisenden. Kann der mystische Ort Ella vor der Vergeltung des Inquisitors schützen und ihren zersplitterten Geist heilen?

Der spannende dritte Teil der Kurzroman-Reihe, Hewnas Schweigen, ist in einer früheren Ausgabe, dem Fantasyroman Candhun: Schleier der Anderswelt, enthalten.

Ein gelungener Weltenbau und ein außergewöhnliches Magiesystem sorgen für ein besonderes Abenteuer mit spannender perspektivische Erzählweise. als würden wir uns selbst auf der abenteuerlichen Reise durch Candhun befinden
lies jetzt den dritten Teil der fantastischen Reihe, Hewnas Schweigen, und reise mit Ella bis unter das raschelnde Blätterdach des geheimnisvollen Waldes der Reisenden.

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Blick ins Buch

»Du willst, dass ich Kindermädchen für eine deiner Freundinnen spiele?« Die Vorstellung Ella, womöglich noch während eines dieser Zustände, denen sie ab und zu anheimfiel, mit bis in den Wald zu eskortieren, löste Unbehagen in Sámwyn aus. Es war nichts Persönliches, schließlich kannte er sie kaum. Dankbar war er ihr ebenfalls, da sie Llew heute mit ihrer Schreierei das Leben gerettet hatte. Wenngleich Sám vermutete, dass die Seherin ihn vor Rodrik warnen wollte und nicht vor den Kriegern am Hang, wie er anfangs nach Vanadis‘ Information gedacht hatte. Er wollte einfach keine zusätzliche Belastung. Insbesondere keine, die ihn Zeit kosten würde. Alleine konnte er viel früher zu Jesmia und ihrem Vater gelangen. Cûgûrin musste er schnell aufsuchen, um die nötige Unterstützung der Bergelfen alsbald zu bekommen. So hart das klang, was kümmerte ihn der Geisteszustand von einer von Llews Bettgeschichten? Die meisten dieser Frauen waren, Sáms Meinung nach, nicht ganz klar im Kopf. In diesem Sinne sortierte sich Ellas Problem, Tote zu sehen, gerade bei der sympathischeren Variante ein. Gesellschaft war schlichtweg das Letzte, das er zurzeit ertragen konnte, gute Freunde ausgenommen.
»Hab ich dich je – in Bezug auf irgendeine Freundin – um etwas gebeten?«, aus Llews tiefer Stimme stach ein gereizter Unterton hervor, den Sám – in Bezug auf irgendeine Freundin – nie zuvor bei ihm gehört hatte.
»Du meinst außer in Falkenbucht bei der Rothaarigen, als ich ihren Ehemann für dich abgelenkt habe und dann diese Cairenn aus der Hafenschenke – oder zählt die eher als Bekanntschaft für dich?«, wahrheitsgemäß antworten wollte er dennoch, allein um seinem Vetter den Spiegel vor zu halten.
»Schon gut! Ich hab es begriffen«, unterbrach ihn Llew, der vermutlich befürchtete, Sám wollte seine Aufzählung lückenlos fortführen. Der Melshûr sah seinem Freund prüfend in die Augen. Llew hatte die Art von Miene aufgesetzt, bei der es selbst ihm schwerfiel, Rückschlüsse über seine Gefühlswelt zu ziehen. Das war in Bezug auf seine Frauengeschichten absolut einzigartig. Außerdem fehlte der Funken Humor, der sich normalerweise wie ein frecher Kobold in seinem Blick herumtrieb.
»Meinst du nicht, du solltest sie selbst begleiten, damit du hinterher nicht vergisst, wo sie auf dich wartet?«, Sámwyn blickte herausfordernd zu seinem Vetter. So einfach würde er ihm nicht davon kommen. Llew verstand die Anspielung sofort, er konnte es an dem Grinsen sehen, für das einen Augenblick seine Mundwinkel zuckten, doch der Kobold ließ sich noch immer nicht blicken. Seine Augen wanderten über das Wasser und Sámwyn teilte einen Moment schweigend die Erinnerungen mit ihm. Llew wandte sich ihm wieder zu, er hatte für seinen Freund die schützende Fassade fallen lassen, die seine Gefühlswelt abschottete. Obwohl Sámwyn inzwischen keine weitere Bestätigung dafür brauchte, wie sehr Llew innerlich zu kämpfen hatte.
»Sie ist keine – ich will gar nicht, dass sie auf mich wartet. Bitte sorge einfach dafür, dass sie heil im Wald ankommt.«
Sámwyn bezweifelte zwar, dass es einfach werden würde und er bezweifelte ebenfalls, dass Llew sie nicht wiedersehen wollte, doch er verstand nun, wie wichtig es ihm war, dass sie sicher dort ankam. Und das bedeutete, dass er natürlich zusagen würde.
»Was gibt dir eigentlich die Gewissheit, dass sie das Herz des Waldes betreten kann?«, wollte er zuerst noch von Llew wissen.
»Ich hab gehört, wie sie im Schlaf von Jesmia gesprochen hat.«
»Du hast sie schlafen lassen?«, Sámwyn beeindruckten die Ausmaße von dem sonderbaren moralischen Wandel seines Vetters.
»Hm hm. Wirst du sie mitnehmen?«
»Hast du mich gerade darum gebeten?«

Auch im Garten konnte sie Vanadis nicht finden. Einen Augenblick blieb sie stehen und sah zum Mond auf, dessen satter Kreis in den letzten drei Nächten eine kleine Ecke eingebüßt hatte. Er stand leuchtend hell über den Zwillingsbergen. Sie senkte den Kopf. Das Gefühl beschlich sie, jemand würde hinter ihr stehen. Sie wirbelte ängstlich herum. Inzwischen wusste sie niemals mehr, ob sie in lebende oder tote Augen blicken würde, wenn sie sich umdrehte. Ella hatte sich wohl getäuscht. In der einen wie in der anderen Welt konnte sie niemanden hinter sich entdecken. Fast beim Haus angekommen, hörte sie, wie Llew ihren Namen rief. Er saß auf einem längs halbierten Stamm, der als Sitzgelegenheit in Ayrîns Gemüsegarten diente, nur wenige Schritte von ihr entfernt. Sie ging zu ihm hinüber und setzte sich auf seinen Wink neben ihn. Sofort verfing sie sich in seiner Gegenwart. Wie immer in seiner Nähe breitete sich diese Mischung aus Anspannung und wohliger Wärme in ihrem Körper aus.
»Ich wollte mich nur verabschieden«, sagte er höflich. Er klang, als würde er den offiziellen Teil eines durischen Banketts verlassen wollen. Ella spürte, wie die Waagschale mit der Anspannung einem Ruck nach unten nachgab.
»Wie meinst du das, wir sehen uns doch wieder?«, fragte sie, doch sein distanzierter Ton hatte längst die Erinnerung, an seine arrogante Bemerkung in der Küche aus seinem Verdrängungsschlaf geweckt.
»Ich denke nicht. Also auf dann.«


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